Orgel

Die Hauptorgel der Domkirche von Winfried Albiez

Am 19. Dezember 1982, dem Sonntag "Laetare", wurde die neue Albiez-Orgel der Domkirche St. Eberhard in einem Pontifikalamt mit Weihbischof Dr. Anton Herre und einem Konzert des weltberühmten Pariser Organisten Gaston Litaize eingeweiht. Neu und jugendfrisch war damals nicht nur das Instrument,
sondern auch der Titel und Rang der Mutterkirche der Stuttgarter Katholiken.

Da das Vorgängerinstrument ein in jeder Hinsicht schwach inspiriertes Werk war, das schon am Tage seiner Einweihung mehr Befremden als Begeisterung auslöste, kam die Erhebung zur Konkathedrale den Musikern gerade recht, konnte man doch neuen Schwung in die Orgelfrage bringen.
Aber es artikulierten sich auch Gegenstimmen, die eine Orgel angesichts der Not in der Welt als Luxus empfanden. Den Auftrag zum Bau der neuen Domorgel erhielt die Werkstatt Winfried Albiez aus Lindau, die bis zum Tod ihres Gründers Winfried Albiez im Jahre 1985 in Lindau bestand und sich in kurzer Zeit den Ruf einer der führenden deutschen Orgelbauwerkstätten erworben hatte. Die technische Konstruktion betreute Otmar Schimmelpfennig, die klangliche Seite Winfried Albiez und Siegfried Jehmlich. Mit 57 klingenden Registern auf drei Manualen und Pedal ist die Albiez-Orgel in der Domkirche das größte von dieser Werkstätte geschaffene Instrument und eine der bedeutendsten Orgeln der Landeshauptstadt. Sie enthält  knapp 3700 Pfeifen, von denen die der beiden 16'-Prinzipale von Hauptwerk und Pedal sowie die des 8'-Prinzipals des Rückpositivs im Prospekt zu sehen sind. Das Klangkonzept verbindet deutsche und französische Elemente der Barockzeit mit romantischen französischen Charakteristiken; letztere sind besonders im symphonischen Schwellwerk und in der reichen Palette der 14 Zungenstimmen (darunter eine Bombarde 32') präsent. Der Gehäuseentwurf stammt von dem Stuttgarter Architekten Prof. Elmar Wertz. Er bezieht sich in seinen Grundformen auf Details des Altarmosaiks. Wertz gelang ein großartiger Entwurf, dessen festliche Geste die ursprüngliche, geradezu kühne Farbfassung von Otto Habel und E. Wertz noch unterstrichen hat. Diese Farbgestaltung war in der Fachwelt geradezu eine Sensation, und die Eberhardsorgel wurde zur Pilgerstätte.Und auch noch heute, nach ihrer von Bert Perlia verordneten Einweißung strahlt sie immer noch Würde und gehobene Stimmung aus.

Die Chororgel der Domkirche von Claudius Winterhalter

Am Sonntag, 22. Oktober 2006 wurde im Rahmen der Jubiläen "200 Jahre Religionsfreiheit in Württemberg" und "200 Jahre Pfarrgemeinde St. Eberhard" die neue Chororgel feierlich eingeweiht. Claudius Winterhalter 2006 Disposition: Martin Dücker, Ludger Lohmann und Claudius Winterhalter Mensuren und Intonation: Alois Schwingshandl und Claudius Winterhalter Gehäuseentwurf: Claudius Winterhalter Mit nur10 Registern in einem überraschend großrahmigen Klanggestus ist sie der Hauptorgel eine ebenbürtige Partnerin. Das Repertoire der labialen Klangfarben bezieht sich auf die deutsche Orgeltradition des frühen 19. Jahrhunderts mit den epochalen Klangideen des genialen Ludwigsburger Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker (1794-1872).

Die einzige Zungenstimme folgt hingegen der wunderbaren "Trompette" des Pariser Orgelbau-Großmeisters
Aristide Cavaillé-Coll (1811-1899) in der Chororgel von Trouville (1894). Das Gehäuse erhebt sich auf schmalem Grundriss, teilweise frei über dem "Auge" des Treppenaufgangs gelagert, wie ein auf die Spitze gestellter Pyramidenstumpf. Er setzt sich zusammen aus zwei sich durchdringenden Kuben,
deren äußere Abwicklung durch einen ausgewogenen Rapport aus Gehäuseflächen, gefächerten Prospektpfeifen  und horizontalen Schwellerjalosien nachvollziehbar wird. Vor dem Hintergrund der geradwinkligen Raumschale sorgt die schräge Linienführung der neuen Chororgel für angenehme Spannung. Eine elegante, weiße Farbfassung unterstützt die skulpturale Plastitizät, erzeugt Ruhe und vermittelt zwischen Raum und Objekt. Die freigestellte Spielanlage wird von einer ausdrucksvollen Kettensägenarbeit des Bildhauers Armin Göhringer akzentuiert.

Ein zusätzlicher Registerzug, der die rätselhafte Bezeichnung "Mysterium Eberhardi" trägt, bedarf noch der Erläuterung: Msgr. Erich Sommer, Dompfarrer von 1970-1986 kreierte das "Eberhardswunder". Es handelt sich um das Bild vom Heiligen Eberhard, dem Erzbischof von Salzburg, der seine schützende Hand segenbringend über den Domchor und seinen Leiter bei den Pontifikalämtern gehalten habe, so dass nach gelungener Ausführung eines vielleicht zu knapp geprobten Werkes von allen dankbar das "Eberhardswunder" wieder einmal bestätigt werden konnte. Bis auf den heutigen Tag hält der Heilige Eberhard schützend seine Hand über die Dommusik. Da lag es also nahe, der neuen Chororgel dieses "Wunder"zu inkorporieren. So erscheint in der Stuttgarter Domkirche der Heilige Eberhard mit der Segenshand und gütig lächelnd, geschnitzt von Alfons Heimburger aus Niedereschach.

Alle Daten und Fakten, sowie die Disposition der beiden Orgeln in St. Eberhard finden Sie hier.